Regenbogen in Wolken

Nicht so, sondern so

Kleiner Ratgeber für einen guten Umgang mit sehbehinderten und blinden Menschen.

Wo ist "dort"?

nicht so..(1)

"...und dann gehen Sie dort vorne etwas nach halbrechts bis zu dem blauen Haus und dann immer gerade aus bis zum grossen Platz. Den überqueren Sie diagonal, und schon sind Sie da..."

Natürlich habe ich mit dieser Beschreibung masslos übertrieben, und doch erlebe ich im Alltag immer wieder ähnliche Situationen. Kürzlich rief mir eine Verkäuferin eines Warenhauses aus etwa 5 Metern Entfernung zu: "Dort ist die Kasse"

..sondern so (1)

Für uns Sehbehinderte haben die Begriffe "dort" und "da" eine sehr geringe Bedeutung. Deshalb sind wir in vielen Situationen auf präzise Angaben angewiesen.

Anstelle von "Achtung, dort hat es eine Pfütze" könnte es zum Beispiel heissen: "Vorsicht, etwa zwei Meter vor Ihnen beginnt eine Pfütze. Soll ich Sie daran vorbeiführen?"

Sprich, damit ich dich sehe!

nicht so.. (2)

"Rate mal, wer ich bin" Mit diesen Worten begrüsste mich vor Kurzem ein mir nur flüchtiger Bekannter. Ich finde es unfair, jemanden bereits bei der zweiten oder dritten, nur kurzen Begegnung an seiner Stimme wieder erkennen zu sollen.

Obwohl ich viele Menschen an ihren Stimmen erkenne, bin ich dankbar, wenn mich niemand zappeln lässt. Einmal erkannte ich eine sehr nahe Bekannte nicht, weil sie mich an einem Ort begrüsste, wo ich sie nicht erwartete.

..sondern so (2)

Wenn mich jemand unterwegs anspricht und sagt: "Ich bin Paul, wir trafen uns im letzten Sommer an der Hotelbar in Gstaad", so ist mir dieser Paul im Nu wieder präsent. Wenn ein Mann durch den Hausflur keucht und sagt: "Guten Tag, ich bin der Briefträger", so kann ich mir darunter etwas vorstellen. Sagt jemand hingegen lediglich "Guten Tag" zu mir, wenn ich im Restaurant sitze, so weiss ich nicht, ob ich jetzt mein Bier bestellen oder den Gruss zurückgeben soll. "Guten Tag, ich bin der Kellner". Einige Worte mehr, und alles ist klar.



Accesskey
Letzte Änderung 18.05.2010