Augenblicke - Lichtblicke

Lichtblicke im Alltag

Gute Erfahrungen im Alltag bedeuten Lichtblicke für sehbehinderte und blinde Menschen. Lichtblicke öffnen Türen und schlagen Brücken zur Gesellschaft.

Wählen Sie aus folgender Liste einen Erfahrungs-Bericht aus:

1: Chor-Projekt
2: Von Baum zu Baum
3: Ferien auf Samos
4: Alleine unterwegs
5: Weiterbildung
6: Gleitschirmfliegen
7: Radfahren

1: Chor-Projekt

Vom 11.02.15 bis 28.02.15 wurde unter Simon Burkhalters Regie und künstlerischer Leitung die Operette „Gräfin Mariza“ im Theater National in Bern aufgeführt. (Operette von Emmerich Kalman).

Der zwanzig jährige Regisseur und ein engagiertes Team, aus professionellen Solisten, einem Streichorchester in kammermusikalischer Besetzung und einem Projekt-Chor, luden zu acht Vorstellungen ein.

Durch "Zufall oder Schicksal" (wie immer man es nennen will) wurde ich auf das Projekt der Operette Gräfin Mariza aufmerksam gemacht. - Zur Verstärkung der professionellen Solisten wurden schauspielfreudige Frauen und Männer mit starken Stimmen gesucht. Der Operettenchor (SATB) wurde auch in szenische Teile des Werks mit integriert.
Die Begeisterung des Projekitleiters steckte mich bei meiner ersten Kontaktaufnahme schnell an, so dass ich mich zum Mitmachen entschloss.
Nicht nur von Simon Burkhalter wurde ich am ersten Probe-Abend herzlich empfangen, sondern auch vom Chorleiter und allen Chormitgliedern. Zur Überwindung kleiner und grösserer Hürden, fand ich stets schnell Hilfe. Für all die kleinen Hilfeleistungen während des ganzen Projektes, möchte ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken!

Auch wenn die szenischen Proben für mich eine grosse Herausforderung war, so machte es mir doch immer Spass mitzumachen. Die erste Probe am Aufführungsort, auf der Bühne mit Bühnenbild, war für mich die grösste Herausforderung, und erforderte vollste Konzentration während der ganzen Probe. - Umso mehr genoss ich das gute und entspannende Gefühl nach der gelungenen Première.


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2: Von Baum zu Baum

Ein Team-Ausflug sollte mich in einen Seilpark führen. Um nicht ganz ahnungslos teilzunehmen, bot mir Christine ihre Begleitung an, bereits vor dem Termin einen Seilpark zu besuchen. Dieses Angebot nahm ich natürlich sehr gerne an.

Wir besuchten den Seilpark Balmberg, wo mir meine Begleitung zuerst das Reglement des Parks vorlas. An der Kasse erhielten wir nach Bezahlung des Eintrittes Handschuhe und die obligatorische Kletterausrüstung. Die Kletter-Ausrüstung umgehängt, begaben wir uns zur Kontrolle und danach zur obligatorischen Instruktion am "Übungs-Platz"

Gut vorbereitet ging es kurz darauf los! Ich hängte mich bei Christine ein, da ich meinen weissen Stock im Schliessfach zurück liess. So bewegten wir uns von Baum zu Baum, entlang der gespannten Seile und über verschiedenartige Brücken. Der gewählte Parcour erforderte Geschicklichkeit und Gleichgewichtssinn, aber auch Vertrauen gegenüber unserer Kletterausrüstung. Hier wurde zudem mein Selbstvertrauen getestet: Von jeder Plattform aus tastete sich mein Fuss nämlich teilweise ins "Leere" resp. auf eine "unsichtbare" Fläche, die aus einer Kette, einem Seil oder einem schmalen Holzbarren bestand. Nachdem mein Fuss den Gegenstand fühlte, suchte ich die richtige Auftritts-Richtung, konzentrierte mich auf mein Gleichgewicht und setzte auch den andern Fuss auf die zu begehende Brücke. Durch die Absicherung der zwei Karabinerhaken, am gespannten Seil oberhalb der jeweiligen Brücke, fühlte ich mich sehr sicher in luftiger Höhe.

Durch diese vorbereitende Begehung wurde der Team-Ausflug auch für mich ein schönes Erlebnis. An dieser Stelle bedanke ich mich ganz herzlich bei Christine für Ihre zweimalige Begleitung. Sie hat mir jedes neue Hindernis sehr gut erklärt, so dass ich wusste, was mich erwartet.

Falls ich Sie mit meinem Bericht ermutigte, auch mal einen Seilpark zu besuchen, wünsche ich Ihnen viel Spass! Der nachfolgende Link führt auf die Website Seilpark Balmberg

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3: Ferien auf Samos

Ein Traum ging in Erfüllung!

Blick auf Kerveli-Bucht rechts und im Hintergrund Türkei

Lange habe ich davon geträumt, meinen Urlaub auf der griechischen Insel Samos verbringen zu können. Sie denken jetzt vielleicht: "Ist doch nichts aussergewöhnliches. Da bucht man einen Flug und ein Hotel, und dann los! Mit einem eingeschränkten Sehvermögen sind da eben erst noch Grenzen zu durchbrechen resp. zu überwinden.

Als Alleinstehende machte ich mich somit auf die Suche nach einer geeigneten Begleitperson. Die Hoffnung schon fast aufgegeben, stellte sich dann doch noch jemand als Reisebegleitung zur Verfügung. Um uns besser kennen zu lernen, unternahmen wir gemeinsam kurze Ausflüge, später dann eine mehrtägige Reise nach Deutschland. Danach beschlossen wir, die geplante Ferienreise nach Samos gemeinsam zu machen.

So planten wir Flug und Aufenthalt und verbrachten vom 27.5. bis 3.6. eine wunderschöne Ferienwoche auf Samos. Machten verschiedene Ausflüge, besuchten Sehenswürdigkeiten und genossen auch das Baden im Meer.
Leider gingen diese Ferien viel zu schnell vorüber. Möchte an dieser Stelle meiner Begleitung ganz herzlich für Ihre vielseitige Unterstützung danken!


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4: Alleine unterwegs

Viele verbringen ihren Winterurlaub auf den Skiern. Seit meinem Schulabschluss hatte ich keinen Spass mehr am Alpin-Sport. Vor ein paar Jahren verbrachte ich mit meiner Begleitung ein verlängertes Wochenende im Schnee. Während sich meine Begleitung an 1 Tag fürs Skifahren entschied, entschloss ich mich, alleine etwas zu unternehmen, obschon ich fremd war in der Region. Als sehende Person wäre ich vielleicht einfach los marschiert, in Richtung Sportbus, und hätte mich unterwegs über meine Möglichkeiten informiert. Aufgrund meiner Sehbehinderung informierte ich mich bereits im Hotel über bestehende Aktivitäten. Ich entschied mich für eine Fahrt aufs Rothorn: Mit einer 4er Gondel bis zur Mittelstation und danach mit einer grossen Gondel bis zum Gipfel. Diese Infos erhielt ich im Hotel, auch welcher Sportbus mich direkt bis zur Talstation fährt. Diese Detail-Angaben erleichterten mir meine "Exkursion" sehr. Bei der Talstation angelangt, konnte ich mich einer Familie anschliessen, welche sich auch in Richtung Gondelbahn begab. Bevor ich mich bei Ihnen nach der Kasse erkundigen konnte, wurde ich bereits auf die Kasse aufmerksam gemacht, falls ich noch eine Fahrkarte lösen müsse. Um sicher zu sein, den richtigen Weg zur Bahn zu wählen, wartete ich auf diejenigen Personen, welche nach mir am Schalter Fahrkarten kauften. So war das Auffinden des Eingangs zur Bahn kein Problem. Man erklärte mir aus eigener Initiative dann auch gleich die Bedienung des Kartenlesers, um beim Rad eintreten zu können. Die nächste "Hürde" wartete im nächsten Raum auf mich. Da wurden die kleinen Gondeln langsam vorwärts transportiert, und luden zum Einsteigen ein. Da ich diesen Vorgang kenne, wusste ich was passiert, bevor ich die Gondeln richtig erblickte, denn meine Augen mussten sich erst an den lichtarmen Raum gewöhnen. Um einen Überblick zu erhalten blieb ich stehen. Da wurde ich bereits gefragt, ob ich hinauf fahren möchte? Ich antwortete mit "Ja" und ergänzte "aber ich würde gerne mit jemandem mitfahren, damit ich beim Aussteigen nicht alleine bin". So fuhr ich mit 2 Personen mit. In der Mittelstation angekommen wurde unsere Gondel sogar kurz angehalten, damit ich ohne Probleme aussteigen konnte.

Diese Aufmerksamkeit ist nicht selbstverständlich, deshalb an dieser Stelle ein Dankeschön an alle Personen, welche entsprechende Dienstleistungen anbieten. Nicht nur für die Berg- und Talfahrt erhielt ich alle nötige Hilfe. Auch im Selbstbedienungs-Restaurant war die Kassierin sehr hilfsbereit. Sie bediente für mich die Kaffeemaschine und brachte mir die gewünschte Süssspeise. - Auch ihr ein herzliches Dankeschön!

Die Hilfsbereitschaft, welche ich an diesem Tag erfahren durfte, motiviert mich trotz Sehbehinderung, weiterhin auch alleine unterwegs zu sein.

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5: Weiterbildung

Weiterbildung wird in der heutigen Zeit immer wichtiger. Es braucht zwar etwas Mut, sich mit einer Behinderung, an einer öffentlichen Schule, für eine Weiterbildung anzumelden. Aber mit gegenseitiger Offenheit können viele Schranken durchbrochen werden.

2001 wünschte ich mir, wieder ins Berufsleben einzusteigen. So suchte ich eine Weiterbildungs-Möglichkeit, um auf dem Arbeitsmarkt mithalten zu können. Die Berufsschule für Verwaltung in Bern gab mir 2002 die Möglichkeit, den Kurs für "Wiedereinsteigerinnen in den Büroberuf" zu besuchen. Ich informierte alle beteiligten Lehrkräfte vor Kursbeginn über meine Sehbehinderung, und welche Unterrichts-Formen für mich ungeeignet resp. geeignet sind. So wurde eine zufriedenstellende Lösung für alle Beteiligten gefunden. Auch meine Mitschülerinnen boten mir ihre Hilfe an, wenn sie mich "rudern" sahen. Diese gute Zusammenarbeit liess mich meine Behinderung vergessen - nur meine Hilfsmittel deuteten darauf hin.

Das Schönste am Ganzen: Der "harte Kern" der Klasse trifft sich seit Abschluss dieser Weiterbildung mehrmals jährlich, zu einem "Höck".


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6: Gleitschirmfliegen

Wie ein Vogel durch die Luft fliegen und die Freiheit spüren. Dieses Gefühl durfte ich am 25. Juni 2005 erleben.

Der Sehbehinderten-Tandemverein Bern organisierte zusammen mit den "Flatlanders" einen Gleitschirm-Tandemflugtag für Sehbehinderte und Blinde. Am Nachmittag des 25. Juni schwebten In Oberwil im Simmental einige Vereinsmitglieder durch die Luft.

Ein Gleitschirmflug kann auch mit geringem Sehrest oder sogar ohne Sehkraft Spass machen. Dies war für die "Flatlanders" spätestens nach der Landung klar. Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei den Gleitschirm-Piloten, aber auch bei allen HelferInnen bedanken. Es war ein wunderschönes Erlebnis!

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7: Radfahren

Mit gleichen sportlichen Interessen werden Brücken geschlagen zwischen sehenden und sehbehinderten resp. blinden Menschen. Ein herzliches Dankeschön an meine Piloten!

Zu meinen Freizeitbeschäftigungen gehört Radfahren. Seit Jahren bin ich aber nur noch per Tandem durch die Natur unterwegs. Durch mein geringes Sehvermögen fühle ich mich unsicher mit dem Rad im Strassenverkehr. Um per Tandem ausfahren zu können, benötigt man einen Piloten. Ich besitze ein eigenes Tandem. So war es 2004 wieder einmal soweit, dass ich mir einen neuen Piloten suchen musste. Mein unermüdliches Suchen wurde im Herbst 2004 mit Erfolg belohnt. Der Präsident des Racing-Club Steffisburg unterstützte mich dabei, wofür ich ihm nochmals ganz herzlich danken möchte!

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22.08.2016